Opladen ist am Rosenmontag aufgeblüht.

Das Motto „Blühendes Opladen“ haben die meisten Gruppen gemäß des Flower-Power-Spruchs „Make love, not war“ erweitert und sich ganz auf Blumen, Buntes und Kamelle konzentriert, politische Botschaften bleiben fast komplett aus. Ob nun bunt oder bissig, für die Zuschauer ist das Wichtigste: Der Zoch kütt. „Endlich wieder“, sagt Piratin Roswitha „Ein Rosenmontag ohne Opladener Zug ist kein echter Rosenmontag.“Im vergangenen Jahr war der Zug wegen einer Sturmwarnung abgesagt worden. Eine erneute Absage, das wäre auch für Clown Stephan und seine Freunde ein Drama gewesen, schließlich sind sie vorbereitet wie wohl wenige: Auf ihrem Bollerwagen gibt es nicht nur akkurat geschnittene Käsehäppchen und reichlich Getränkevorräte: In der Mitte thront eine Herdplatte, darauf ein Pfanne, in der hausgemachte Frikadellen braten. „Es ist immer alles besser, wenn es warme Frikadellen gibt“, begründet Stephan den Aufwand. Schnell muss er sie wenden. „Unserem Freund Erik von den Altstadtfunken wollen wir gleich eine überreichen.“
Schmetterling fliegt spontan mit
Auf der Kölner Straße stehen die Zuschauer in dichten Reihen, als der Zugleiter pünktlich um 14.11 Uhr die Wagen starten lässt: Schüler und Lehrer der GGS Opladen kommen als Zauberer und Hexen, natürlich mit vielen Blumen an den Umhängen. Die Gruppe Heinrich der 12. grüßt von ihrem Luftballon-behangenen Wagen in buntestem Hippie-Outfit.
Hinter der brasilianisch gekleideten Samba-Gruppe fliegt ein riesiger Schmetterling her. Das war so nicht geplant: Frank Folger ist als Zuschauer zum Zug gekommen. Und plötzlich findet er sich mittendrin wieder, eingeladen von der Samba-Gruppe. „Als Maskottchen“, sagt Folger. Zehn Kilo wiegt sein selbstgebautes Kostüm mit gigantischen Flügeln und einem japanischem Fächer. „Aber das schaff ich bis zum Ende, das war immer schon ein Traum, mal in Opladen mitzugehen.“
Prinz hat Muskelkater vom Werfen
Prinz Peter III. grüßt alle vorbeiziehenden Gruppen von seinem Wagen, der am Startpunkt in der Parkbucht steht. Der Opladener Zug, das wird der Höhepunkt seiner Regentschaft, hatte er schon vor Monaten gesagt. Aber jetzt ist er nicht mehr sicher.
„Kann es wirklich noch schöner werden als gestern in Wiesdorf“? fragt er mit leicht angeschlagener Stimme. Auch die Muskel schmerzen vom vielen Werfen und Winken. “ Man kriegt viel erzählt, wie es so ist als Prinz. Aber ich habe mir nicht vorstellen können, dass es so schön ist. Einfach genial.“ Als der Prinzenwagen um 15.27 Uhr endlich aus seiner Parkbucht fährt, bricht die Sonne durch die Wolken. Der Muskelkater ist sofort vergessen, der Prinz greift mit beiden Händen beherzt zum Wurfmaterial.
Politische Botschaften finden sich alleine auf dem großen Piratenschiff der Dorfgemeinschaft Imbach, das mit seinem hohen Mast immer wieder in den Bäumen auf der Kölner Straße hängen bleibt. Mit Blüten statt Blumen wurde das Motto hier umgesetzt. Falschgeld als Lösung aller Leverkusener Probleme: „Opladen braucht ein Blütenmeer, dann sind die Kassen nicht so leer.“
„Das war mein Lieblingswagen“, sagt ein kleiner Cowboy auf dem Heimweg. Papa Dirk trägt die Beute in zwei große Tüten. Er geht mit seiner Familie jedes Jahr zum Opladener Zug. „Es war sehr kurzweilig und schön bunt. Für mich muss es nicht politisch sein. Hauptsache, alle haben Spaß.“


Von Stefanie Schmidt, Kölner Stadtanzeiger, 27.02.2017