Karnevalssamstag, 14:00 Uhr, unsere Kinder 3 und 5 Jahre alt, sind aufgeregt. Gleich gehen wir los zum alternativen Karnevalszug. Ein paar Freunde treffen wir vor der Haustüre, alles coronakonform.. Wir sind hier im Dorf sehr dankbar, dass wir wenigstens ein klitzekleines bisschen Karnevalsgefühl bekommen. Den Bollerwagen hatten wir schon einige Tage vorher geschmückt und als Zugwagen präpariert. Die Musikbox ist aufgeladen und wird seit geraumer Zeit täglich von den Kindern getestet, die Texte sitzen. Karnevalszug verkehrt würde man denken, wenn man die Zeit zurück drehen könnte.

Seit Corona ist alles anders:
„Wir sind der Zug“ lautet unser persönliches Motto.
Auf geht’s, beim ersten Nachbarn müssen wir nicht einmal klingeln. Er steht bereits draußen, mit eigener Musik, Kamelle für die Kinder und einem Schnäpschen für die Eltern. So einfach ist es, alle sind glücklich. Ein Foto wird noch gemacht und dann zieht die Karawane weiter. Auf zum nächsten Haus, ein Mehrfamilienhaus. Die Kinder dürfen alle Klingeln drücken und Kamelle rufen. So lange, bis sich die Fenster öffnen und die Kamelle fliegen. Hinter uns kommen bereits die nächsten Familien. Kinderaugen strahlen, wir dürfen nicht so lange verweilen, machen Platz für die nächsten. So arbeiten wir uns durch, Haus für Haus. Manch einer hat dekoriert, andere nicht, einige Fenster öffnen sich. Besonders ältere Menschen freuen sich die Kleinen glücklich machen zu können und darüber, dass mal endlich wieder etwas Positives geschieht. Es waren bestimmt 100 Menschen im Dorf und die Gesichter sahen allesamt fröhlich aus, und das zu diesen miesen Zeiten.

make peace, no war

Gaby Schee